Heizungsarten – Heizsysteme im Vergleich

Lesezeit: 4 Minuten

Die ideale Heizung für alle Fälle gibt es nicht. Dennoch gibt es wesentliche Unterschiede bei Kosten, Klimaschutz und Gesetzen. Auch eine Kombination mehrerer Energiequellen ist möglich und liegt im Trend.


Energiepreise, Klimaschutzgesetz, Feinstaubdiskussion – der Heizungsmarkt ist im Umbruch. Gas als sauberster der klassischen Brennstoffe wird noch auf lange Sicht weiter an erster Stelle beim Verbraucher stehen. Heizen mit Öl dagegen gilt als weniger zukunftsträchtig, weil dabei im Vergleich mehr klimaschädliches COentsteht. Aber welche anderen Energieträger können im Heizungsvergleich als Alternative oder Ergänzung punkten? Wir vergleichen im Folgenden verschiedene Heizungsarten.

Ölheizung und Heizen mit Kohle: Die Auslaufmodelle

Kohle und Koks als Heizmaterial sind bei uns nahezu ausgestorben, und das ist auch gut so. Wirkungsgrad und Umweltbilanz lassen zu wünschen übrig. Ein Viertel der Deutschen heizt noch mit Öl. Das will die Bundesregierung ändern. Denn selbst moderne Ölheizungen erzeugen laut Umweltbundesamt deutlich mehr Treibhausgase als andere gängige Heizungsarten. Noch gibt es kein Verbot von Ölheizungen, aber durch die neuen Klimaschutzgesetze haben reine Ölheizungen keine Zukunft.

Erdgas und Flüssiggas: Die sauberen Marktführer

Mit Erdgas oder Flüssiggas werden über die Hälfte der deutschen Haushalte beheizt. Dabei entsteht im Vergleich zum Heizöl um 15 Prozent weniger  CO2. Auch beim Feinstaub und bei anderen Schadstoffen schneidet Gas besser ab. Wer auf einen effizienten Gas-Brennwertkessel umstellt oder eine Gasheizung modernisiert, investiert deshalb umweltfreundlich und zukunftssicher. Erdgas ist dabei die leitungsgebundene Variante. Wer außerhalb der Reichweite des Erdgasnetzes lebt, ist mit Flüssiggas besser bedient. Es wird per Tanklastwagen angeliefert und ist somit in jedem Winkel Deutschlands erhältlich. Und selbst, wenn eine Erdgasleitung am Ende der Straße liegt: Die Erschließung des eigenen Grundstücks kann schnell viele tausend Euro kosten. Flüssiggas dagegen lagert auf Ihrem eigenen Grundstück in einem Tank und wird per Schlauch befüllt. Weiterer Pluspunkt: Flüssiggas ist in hochwassergefährdeten Gebieten und in Wasserschutzgebieten zulässig.

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Über die Hälfte der deutschen Haushalte werden mit Gas beheizt.

Holzheizung: Klimaheld mit Pferdefuß

Wenn Holz verbrennt, wird im Prinzip nur so viel CO2 frei, wie die Bäume vorher aufgenommen haben. Deshalb gelten Holzheizungen als klimaneutral. Sie sind dennoch umstritten. Erstes Problem: Feinstaub. Besonders beim Verbrennen größerer Holzstücke (traditionell Scheitholz genannt) machen Öfen dicke Luft. Automatische Pelletheizungen sind erheblich sauberer, brauchen aber viel Platz und sind in der Anschaffung relativ teuer. Zweites Problem: Wenn Viele so heizen, wird nachhaltig gewachsenes Holz knapp und teurer.

Nachtspeicherheizung: Teure Verschwendung

Der elektrische Strom für alte Speicherheizungen stammt meist aus CO2-intensiven Kraftwerken mit schlechtem Wirkungsgrad. In den Stromleitungen gehen noch mal knapp sechs Prozent Energie verloren. Den kostbaren Strom am Ende nur wieder zu verheizen, ist Verschwendung und teuer, denn billige Nachttarife gibt es heute kaum noch. Sinnvoll wird Strom daher vor allem punktuell und kurzzeitig eingesetzt: in Durchlauferhitzern, in selten genutzten Räumen oder als sogenannte Zusatzheizung. 

Fernwärme: Hier kommt es auf den Versorger an

Fernwärme kommt als heißes Wasser durch Pipelines „fix und fertig“ ins Haus und heizt 13 Prozent der deutschen Haushalte. Vor Ort ist die Fernwärmeheizung eine saubere Sache. Aber die Ökobilanz ist lokal sehr unterschiedlich – je nachdem, aus welcher Art Kraftwerk die Wärme stammt. Gut schneidet „Nahwärme“ aus kleinen Blockheizkraftwerken ab. Wo ein Anschluss an Fern- oder Nahwärme möglich ist, kostet er in der Regel bis zu 5000 Euro. Die laufenden Heizkosten sind wiederum lokal sehr unterschiedlich. Nachteil ist die Bindung an den einen Anbieter vor Ort und seine Preise. Wettbewerb gibt es nicht.

Solarheizung: Nicht ohne Unterstützung durch weiteres Heizsystem

Solarheizungen nutzen die unerschöpfliche Sonnenenergie. Allerdings muss das Haus sich zur Anbringung ausreichender Solarpaneele eignen. Die Installation einer Solarheizung fürs ganze Haus kann auch schon mal mehrere Tausend Euro kosten. Hinzu kommen Kosten für die Wärmedämmung. Allerdings reicht die Sonnenenergie in unseren Breiten kaum aus, um ein ganzes Haus zu beheizen. Es empfiehlt sich daher, die Solarheizung mit einem zweiten Heizsystem zu kombinieren – zum Beispiel einer Gasheizung.

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Die Energie der Sonne lässt sich auch zum Heizen nutzen.


Wärmepumpen: Heizenergie von draußen

Wärmepumpen arbeiten nach dem umgekehrten Kühlschrankprinzip und entziehen der Erde, dem Grundwasser oder der Luft draußen Wärme und übertragen sie über Kältemittel und Kompressor auf das Heizsystem im Hausinnern. Das funktioniert auch, wenn es draußen kühl ist! Aber je größer der Temperaturunterschied zwischen dem Außenraum und der Heizanlage ist, desto mehr Strom verbraucht der Kompressor. Bei Erd- und Grundwasser-Wärmepumpen ist das kein großes Problem, weil diese Energiequellen im Winter nicht so stark abkühlen. Dafür sind solche Wärmepumpen durch Erschließungs- und Genehmigungskosten bis zu 30.000 Euro teuer. Luft-Wärmepumpen sind dagegen schon für weniger als 15.000 Euro zu haben. Dafür benötigen sie an kalten Wintertagen mehr Strom für ihren Kompressor. Das geht ins Geld und bei Kohlestrom auch auf Kosten der Umweltfreundlichkeit.

Hybridheizungen: Mit vereinter Kraft

Solarenergie und Wärmepumpen reichen bei uns in Deutschland selten aus, um übers ganze Jahr zu heizen. Sie werden deshalb untereinander oder mit Gas-, Öl- oder Holzheizungen kombiniert. Eine kompakte und preisgünstige Variante ist die Hybridheizung aus Luft-Wärmepumpe und Gas-Brennwertkessel: Der Gaskessel verhindert, dass die Wärmepumpe in kalten Wochen viel teuren Strom für ihren Kompressor verbraucht. In der übrigen Zeit arbeitet die Wärmepumpe sparsam und umweltfreundlich ohne Unterstützung. Eine solche Hybridheizung kostet unter 15.000 Euro, wenn eine Gasversorgung schon installiert ist. Die Investitionskosten werden zu 30 Prozent vom Staat ersetzt, beim Austausch einer Ölheizung sogar bis zu 40 Prozent. Voraussetzungen: sehr gute Wärmeisolierung des Hauses und ein Heizsystem mit niedriger Vorlauftemperatur, damit im Normalbetrieb der Wärmepumpen-Kompressor nicht zu viel Strom braucht. Sonst kann eine reine Gasheizung wirtschaftlicher sein.

Artikel zuletzt aktualisiert am: 15.09.2020
Fotos: Lopolo/Shutterstock.com, Africa Studio/Shutterstock.com, rudolfgeiger/Shutterstock.com

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