Die Flüssiggasflaschen-Fabrik

Lesezeit: 3 Minuten

Gasflaschen für Flüssiggas stellt in Deutschland nur eine einzige Firma her – das Gasflaschenwerk Grünhain im Erzgebirge. Ein Besuch im Unternehmen zeigt: Hier ist Hightech im Einsatz.

Draußen weht die frische Erzgebirgsluft, Vögel fliegen zwitschernd über die Werkshalle. Drinnen scheppert Metall, Transportbänder rattern. In der Gasflaschenwerk Grünhain GmbH läuft die Produktion auf Hochtouren. Die Hauptrolle bei der Fertigung der Gasflaschen spielen runde, etwas unscheinbare Stahlscheiben. Sie sind der „Stoff“, aus dem Flüssiggasflaschen werden.

Aus runden Platten entstehen zwei Hälften der Gasflasche

Doch bis so eine Flasche fertig ist, müssen die Stahlscheiben durch eine harte Prozedur: Zunächst formt eine Spezialmaschine beim sogenannten Tiefziehen aus den runden Platten Hälften für die späteren Flüssiggasflaschen. Dann präparieren Mitarbeiter die zurechtgeschnittenen und gepressten Rohlinge so, dass die Hälften später ineinanderpassen. Zwei Roboterarme schweißen Halte- und Transportgriffe auf, an einer weiteren Station kommen die Flaschenfüße dazu.

Hitze sorgt für spannungsfreies Material

Dann ist der Augenblick da, an dem die Flaschenhälften mit einer Schweißnaht zu einem Produkt vereinigt werden. Schließlich müssen die Behälter bei 650 Grad Celsius 20 Minuten lang richtig aufheizen, um das Material spannungsfrei zu bekommen. Den Ofen verlassen die Exemplare mit einer schwarzen Außenschicht – und müssen einige Stunden abkühlen. Erst danach erhalten die Flaschen ihren letzten Schliff.

PROGAS bezieht bis zu 90 Prozent seiner Flaschen aus dem Werk in Sachsen

Das Unternehmen aus dem Erzgebirge hat mehr als 130 Kunden in Europa, von denen Flüssiggas-Versorger PROGAS zu den wichtigsten zählt. Thomas Bettenbrock, der als Abteilungsleiter Logistik Beschaffung für den Einkauf der Flaschen verantwortlich ist, schätzt die Zuverlässigkeit, das Qualitätsbewusstsein und die Flexibilität der Sachsen. Bis zu 90 Prozent seiner Flüssiggasflaschen lässt PROGAS seit Mitte der 1990er-Jahre in Grünhain fertigen. „Das Werk hat den Vorteil, dass es bei Bedarf auch kleine Stückzahlen liefern kann. Außerdem bekommen wir dort sowohl Pfand- als auch Nutzungsflaschen“, sagt Thomas Bettenbrock. Sein restliches Kontingent bestellt das Dortmunder Flüssiggas-Unternehmen in der Türkei oder in Polen.

»Das Werk hat den Vorteil, dass es bei Bedarf auch kleine Stückzahlen liefern kann.«
Thomas Bettenbrock

Das Werk bereitet auch alte Flaschen auf

Die Produktion von Gasflaschen ist nicht die einzige Spezialität der Profis aus dem Erzgebirge. Sie bereiten auch gebrauchte Exemplare wieder auf. Die Aufbereitung geschieht bei Grünhain in der sogenannten Revision, wo die alten, zum Teil beschädigten „Schätzchen“ zunächst mit einem Sandstrahler geputzt werden und dann – je nach Zustand – neue Füße und Griffe bekommen. Außerdem untersuchen Mitarbeiter jede einzelne Flasche, ob sie noch dicht ist – erst dann darf sie wieder in den Gebrauch.

Eine blasenfreie Flasche ist eine gute Flasche

Auch die neuen Exemplare müssen zeigen, ob sie tatsächlich dichthalten. Nachdem diese abgekühlt sind, heißt es deshalb: Ab ins Wasserbad, wo sich jede mögliche Schwachstelle zeigt. Dafür pumpen Mitarbeiter zunächst Luft in die Behälter und wenden sie dann einige Male im Wasser. Ist eine Naht undicht, bilden sich Blasen und das Exemplar muss zum Nachschweißen. Läuft alles gut, steht der Lackierung nichts mehr im Wege. Am Ende glänzen die Flaschen endlich in Rot. Ein besonders schöner Gruß aus dem Erzgebirge erreichte die PROGAS-Zentrale in Dortmund vor einigen Jahren: die dreimillionste Flasche, die in Grünhain vom Band lief. Es war eine rote für PROGAS.

Artikel zuletzt aktualisiert am: 15.09.2020
Fotos: Wolfgang Thieme

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